Zeitenwende

[Bild: Netzfund]
Als ich am 16. Juni 2024 den ersten Essay „Zu Tode reglementiert“ schrieb, als der 6-phasige Produktlebenslebenszyklus im Zuge der Greta-Thunberg-Inszenierung auf eine einzige Phase und auf CO2, einen Bestandteil unserer Atemluft, reduziert wurde, um das Nachhaltigkeitsmodell als Geschäftsmodell operativ implementierbar zu machen, hatte ich nicht die Absicht, ein Buch zu verfassen. https://www.mittelstandsblog.blog/zu-tode-reglementiert/
Ich wollte lediglich verstehen – und aufschreiben, was ich beobachtet und verstanden hatte. Über mehr als zwei Jahre hinweg habe ich Beobachtung um Beobachtung notiert: über die Verschiebung der politischen Landschaft, über die Verflechtung von Konzernen und Regierungen, über eine Wirtschaftspolitik, die den Mittelstand, dem ich selbst vier Jahrzehnte lang angehört habe, zusehends aus dem Blick verliert.
Aus einzelnen Beiträgen für meinen Mittelstandsblog ist so, Essay für Essay, mein neues, brandaktuelles Buch entstanden:

Im ersten Teil meines Buches versuche ich, die Mechanik der Macht offenzulegen, wie ich sie sehe. Ich beschreibe eine Hierarchie der politischen Willensbildung, in der Zentralbanken, internationale Thinktanks, NGOs und supranationale Organisationen weit vor den Regierungen der Nationalstaaten und erst recht vor den Wählerinnen und Wählern rangieren. Ich zeige, wie sich dieses Bild an der österreichischen Neutralität, am österreichischen Friedensvertrag („Staatsvertrag“) von 1955 und am Verfassungsgelöbnis unserer obersten Staatsorgane festmachen lässt – Themen, die mir, der Souveränität stets als kostbares Gut verstanden hat, besonders am Herzen liegen.
Ich habe mich eingehend mit dem befasst, was ich Korporatismus nenne: die Ausschaltung des Wettbewerbs durch das Zusammenwachsen von Staat, NGOs und Großkonzernen über Lobbyismus und öffentlich-private Partnerschaften nach der Stakeholder-Ideologie, die das World Economic Forum in ihrem Mission Statement (= Organisationszweck) als „Private Public Cooperations“ definiert: https://www.weforum.org/about/our-strategy/
Anhand der Aktivitäten des World Economic Forums und Veröffentlichungen der Strategie globaler Vermögensverwalter wie BlackRock oder Vanguard, anhand von Zitaten, die ich bewusst im Original stehen lasse, zeichne ich nach, wie der Wettbewerb, den ich für das Herzstück einer freien Marktwirtschaft halte, in wachsender Geschwindigkeit durch alternativlose Monopolstrukturen ersetzt wird.
Die Jahre der Corona-Maßnahmen habe ich als früherer Geschäftsführer und Vorstand von fünf Markenartikelunternehmen und nach meiner Alterspensionierung im Unruhestand als Wirtschaftsbeobachter und als Lehrender von Unternehmensstrategie, Entrepreneurship und Studiengangsleiter für Sales- und Innovationsmanagement an einer österreichischen Fachhochschule, an einer deutschen Hochschule und an einer amerikanischen Privatuniversität hautnah miterlebt.
Deshalb war es mir wichtig, die wirtschaftliche Bilanz dieser Jahre nüchtern zu dokumentieren: die Insolvenzzahlen, die ständig steigenden Belastungen der kleinen und mittleren Unternehmen, die innovative Produkte und Dienstleistungen herstellen, im Kontrast zu den Gewinnen der Leerverkäufer der Finanzindustrie, die nichts produzieren als buchstäblich die Leere.
Ich schreibe auch über das Geld selbst – über seine Geschichte als Herrschafts- und Kontrollinstrument, über die Rolle der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der zentralen Inflationsbanken und über die Gefahren für unser wichtigstes Gut, die Freiheit, die ich in einem digitalen, programmierbaren Zentralbankgeld sehe, an deren Implementierung mehr als hundertvierzig Zentralbanken weltweit arbeiten.
Ein weiteres Anliegen war mir die Kritik an dem, was ich als Verschiebung des politischen Framings begreife: Ich beschreibe, wie sich die klassische Links-Rechts-Achse für mich in einen Konflikt zwischen Finanzindustrie und mittelständischer Realwirtschaft verwandelt hat, wie Positionen, die vor wenigen Jahrzehnten als links galten, heute plötzlich als rechts gebrandmarkt werden – und welche Rolle die Konzentration der vier westlichen Nachrichtenagenturen und die staatliche Presseförderung dabei aus meiner Sicht spielen.
Ich habe mich mit dem Krieg als Geschäftsmodell auseinandergesetzt, mit einer strategischen PEST-Analyse seiner politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technologischen Voraussetzungen, und ich habe die Klimapolitik am Beispiel der Wiener Klimagesetz-Initiative und internationaler Städteinitiativen wie C40 und 15-Minuten-Städte kritisch beleuchtet.
Gegen Ende dieses ersten Teils wollte ich es als ehemaliger Geschäftsführer von fünf mittelständischen Unternehmen nicht bei der Analyse belassen: In „35 Maßnahmen, um Österreich wieder auf die Überholspur zu bringen“ versuche ich, aus meiner Kritik konkrete Vorschläge abzuleiten, wie unser Mittelstand und unsere Wirtschaft wieder auf die Überholspur kommen könnten.
Nach so vielen nüchternen Analysen habe ich gemerkt, dass mir die Sprache der Fakten und Zahlen allein nicht mehr genügte. Manche Wahrheiten lassen sich leichter erkennen –, wenn man sie mit den Mitteln der Satire erzählt.
So entstand die kurze Science-Fiction-Miniatur über den Planeten Hypokriton, auf dem eine herrschende Kaste von „Glasperlenspielern“ ihre Untertanen mit Geld aus dem Nichts, mit künstlicher Intelligenz und mit Kriegen als Geschäftsmodell beherrscht – bis eine unerwartete „Lachkrankheit“ die Bevölkerung von der Heuchelei ihrer Herrscher befreit.
Aus dieser kurzen Erzählung ist im zweiten, größeren Teil des Buches ein ganzer satirischer Wirtschaftsroman geworden: „Wettbewerb ist was für Verlierer“. Ich erzähle darin von der Journalistin Rapota, die einem Wasserdeal zwischen einem übermächtigen „Stakeholder-Konzern“ und einem willfährigen Bürgermeister auf die Spur kommt, von dem Konzernchef Ludius und seinem Ritual des „Pfitschigogerl“ mit einundzwanzig Cent, von der Ideologie des „Virtualismus“ der Leerverkäufer, die die Realwirtschaft für minderwertig erklärt – und von zwei Münzen, die unter einer Supermarktkasse gefangen sind und einander die Geschichte dieser Welt erzählen. Am Ende dieser Reise, auf dem Planeten Indebitamento, kehrt jenes Motiv zurück, mit dem schon die kurze Erzählung über Hypokriton endete: das befreiende, ansteckende Lachen über die hohlen Phrasen der Mächtigen, das eine Gesellschaft aus der Erstarrung löst und sie in konstruktiver Kooperation zueinanderfinden lässt.
Ich habe diesen zweiten Teil bewusst als Gegenstück zum ersten geschrieben. Wo die Essays argumentieren, lässt die Satire lachen.
Beide Teile eint jedoch dieselbe Überzeugung, die dieses ganze Buch trägt: dass sanktionslos ablehnbare Angebote (Ludwig von Mises), dass Wettbewerb, dass Eigentum und Selbstbestimmung keine Auslaufmodelle sind, sondern die Grundlage eines freien, selbstbestimmtes und würdevollen Lebens – und dass es sich lohnt, sie zu verteidigen.

