Das Netzwerk der Finanz-Konzerne und der Aufstieg der „großen Drei“

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Eine zusammenfassende Interpretation mehrerer Forschungsarbeiten der Wissenschaftler Stefania Vitali, James Glattfelder und Stefano Battiston, Departement für Bank- und Finanzwesen, ETH Zürich

https://www.researchgate.net/publication/51761051_The_Network_of_Global_Corporate_Control

Das Fiat-Geldsystem schaufelt Geld, Machtpotential und Vermögen vom Mittelstand, von der Realwirtschaft und insbesondere von den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu den Großkonzernen. Benjamin Mudlack, der Autor der neuen "Geldbibel" "Neues Geld für eine Freie Welt - Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf", hat den Mechanismus für der Umverteilung auf 560 Seiten offengelegt und mit empirischen Daten unterlegt. https://www.dersandwirt.de/produkt/neues-geld-fuer-eine-freie-welt/

Seit dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems hat sich mit wachsender Geschwindigkeit eine weitere, mächtige Kraft gebildet, welche die steigende Ungleichheit von Vermögen und Einkommen durch das Fiat Geldsystem noch zusätzlich verschärft.

Die zweite Kraft gewinnt kontinuierlich an Macht und Einfluss: Es ist das Netzwerk der globalen Vermögensverwaltungen, welches sich zunehmend konzentriert, auf wenige Akteure zusammenzieht und seine Macht seit 2008 kontinuierlich verdichtet hat. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Entwicklung ist Forschern der ETH Zürich schon vor mehreren Jahren gelungen.

Wissenschaftler der ETH Zürich haben die Verbindungen ("Verknüpfungen") der einzelnen Akteure in der Finanzindustrie mithilfe mathematischer Modelle analysiert. Das Ergebnis: Die Studien der Universität Zürich zeigten, dass die Macht nach dem beinahe Zusammenbruch des Finanzsystems konzentriert in den Händen einiger weniger Organisationen liegt. Schon vor eineinhalb Jahrzehnten standen 147 Firmen für 40 Prozent des weltweiten Umsatzes. Aber wie sieht das heute, Ende 2025 aus?

Das Problem von Oligopolen in der Finanzindustrie hat sich durch den Beinahe-Crash 2008 nicht etwa reduziert, sondern - im Gegenteil - noch zusätzlich verschärft und ist zu einer Bedrohung der Realwirtschaft geworden.

Es war alles andere als eine triviale Aufgabe, die sich James Glattfelder, Stefano Battiston und Stefania Vitali von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich gestellt hatten. Die drei Forscher wollten konkrete Zahlen für die weit verbreitete These liefern, dass transnationale, also nationale Grenzen überschreitende Konzerne, eng miteinander verflochten sind und die Weltwirtschaft dominieren. Zu diesem Zweck nutzten die Forscher die Datenbank „Orbis“: In der sammeln Statistiker der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Daten von 44 Millionen Firmen und Unternehmern weltweit. Die Zürcher Forscher wollten wissen, welchen Großunternehmen wie viele Anteile an anderen Firmen gehören. Dabei gingen sie von der Definition des Soziologen Max Weber aus, was Macht bedeutet: die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum – in der Wirtschaft ein Unternehmen – seinen Willen auch gegen den Widerstand anderer Beteiligter durchsetzen kann. Insbesondere suchten die drei Wissenschaftler die Antworten auf vier wesentliche Fragen:

  1. Was geschah nach der Finanzkrise 2008?
  2. Wie hat sich das globale Wirtschaftsnetzwerk seitdem entwickelt?
  3. Wie sieht die neue Architektur der Macht heute aus?
  4. Gibt es Muster der Disruption und der Stabilität im globalen Network der Eigentümer?

Netzwerkstudien der Universität Zürich mit neuartiger Methodik

Während frühere Arbeiten durch Einschränkungen begrenzt waren, stellen die Netzwerk-Studien von Glattfelderm, Battiston und Vitali die erste umfassende Analyse des gesamten globalen Eigentumsnetzwerks im Zeitverlauf dar.

Die Analysen liefern eine Erklärung dafür, wie ein globaler wirtschaftlicher Schock zwar viele Menschen negativ beeinflusst, aber nur marginale Auswirkungen auf die bestehenden Machtstrukturen hat.Die neuartige Methodik der Züricher Netzwerkstudie ist ein rekursiver Algorithmus, der effizient auf großen Netzwerken implementiert werden kann und alle bisher bekannten Probleme überwindet.

Der kumulative Einflussindex

Eine entscheidende Frage betrifft den kollektiven Einfluss bestimmter Gruppen von Aktionären. Wenn solche Akteure auch Anteile an anderen Mitgliedern derselben Gruppe besitzen, kann der Einflussindex dieser Gruppe aufgrund von Doppelzählungsproblemen nicht einfach durch Addition des Einflusses der einzelnen Mitglieder berechnet werden. Die Autoren der Studie wandten eine neue Methodik auf Gruppen von Knoten im Netzwerk an, indem sie die Eigentumsverhältnisse zwischen den Akteuren innerhalb der betrachteten Gruppe ausschlossen.

Tabelle 10 zeigt die 14 einflussreichsten Organisationen VOR der Finanzkrise 2007:

Tabelle 15 zeigt die einflussreichsten Organisationen NACH der Finanzkrise, im Jahr 2012:

Der Aufstieg von BlackRock

Es lassen sich zwei Hauptgründe ausmachen, die den in der Tabelle S15 dokumentierten, raketenhaften Aufstieg von BlackRock erklären.

Der eine hängt mit der Rolle des Unternehmens in den Turbulenzen nach der Krise in den USA zusammen. Als die zusammenbrechenden Banken offenbarten, wie spektakulär schlecht die Finanzwelt die komplexen und undurchsichtigen Instrumente verstanden hatte, in die sie ihr Geld investiert hatte, war BlackRock weit davon entfernt, eine Rettungsaktion zu benötigen, so etwas wie ein Gegenmittel. Als die amerikanische Regierung sich mit toxischen Vermögenswerten konfrontiert sah, wandte sie sich an BlackRock, das als weniger interessenkonfliktreich als alle anderen Beteiligten galt, um diese zu analysieren, zu bewerten und zu verkaufen. Das Unternehmen erhielt ähnliche Aufträge aus Griechenland und Großbritannien. Das Ergebnis (Peetz et al., 2013): Der wichtigste Aktionär in den USA ist ein Unternehmen, das durch die globale Finanzkrise zu dieser Position aufgestiegen ist: BlackRock Inc., ein in New York ansässiges Finanzunternehmen und Fondsmanager,

2009: BlackRock kauft Barclays Global Investors

Im Jahr 2009 kaufte BlackRock dann den Fondsmanagement-Arm von Barclays, Barclays Global Investors, und schuf damit die größte Fondsmanagement-Gruppe der Welt mit einem Vermögen von rund 2,7 Billionen US-Dollar, wodurch der amtierende Champion entthront wurde.

Im Jahr 2013 wurde Folgendes beobachtet: BlackRock ist mit 4,1 Billionen US-Dollar direkt verwalteten Vermögenswerten (fast so viel wie alle Private-Equity- und Hedgefonds zusammen) und weiteren 11 Billionen US-Dollar, die es über seine Handelsplattform Aladdin verwaltet, mit Abstand der größte Investor der Welt.

Es überrascht nicht, dass die Finanzpresse und andere Nachrichtenmedien das Unternehmen und seinen CEO und Mitbegründer Larry Fink in den höchsten Tönen loben: BlackRock ist heute eines der einflussreichsten, wenn nicht sogar das einflussreichste Finanzinstitut der Welt. In den Mainstream-Medien gibt es nichts als Bewunderung für die enorme Macht von BlackRock. Der größte Vermögensverwalter der Welt war schon 2018 der größte Anteilseigner der Hälfte der 30 größten Unternehmen der Welt, auch Medienunternehmen gehören dazu. BlackRock hat die Kontrolle über Investitionen, die es im Auftrag anderer hält, was ihm großen Einfluss verschafft. Obwohl nur wenige Amerikaner seinen Namen kennen, ist Laurence „Larry“ Fink möglicherweise der mächtigste Mann in der Wirtschaft nach der Finanzkrise https://www.vanityfair.com/news/2010/04/fink-201004 . Relativ gesehen ist BlackRock weitaus größer als J.P. Morgan es jemals war.

Macht über die Manager durch Stimmrechts-Vertretungen in den Top Corporations

Da BlackRock die Aktien von Unternehmen im Auftrag seiner Kunden hält, kann es auch in deren Namen abstimmen; ein Verfahren, das als Stimmrechtsvertretung bekannt ist. Die Frage, welchen Einfluss BlackRock auf die Vorstände der Big Corporations durch die Vielzahl solcher Stimmrechte gewinnt, ist ebenso naheliegend wie komplex. Das Unternehmen gibt klare Richtlinien für die Stimmrechtsvertretung heraus. Der Abstimmungsprozess wird von einem Team für Corporate Governance und verantwortungsbewusstes Investieren geleitet. Neben langfristigen wirtschaftlichen Interessen berücksichtigt das Unternehmen nach eigenen Angaben neben allgemeinen Fragen der Unternehmensführung auch soziale, ethische und ökologische Aspekte. Tatsächlich ist BlackRock dafür bekannt, bei der Stimmrechtsausübung eine aktivistische Haltung, oft im Sinne der Stakeholder Economy und PPP-Geschäftsmodellen einzunehmen. Wie wir PPP-Geschäftsmodelle erkennen und mit Ihnen umgehen können: Eine Analyse

Bei der Analyse von 50 Vorstandswahlen zwischen 2009 und 2013 wurde festgestellt, dass BlackRock für 34 % der nominierten oppositionellen Vorstandsmitglieder gestimmt hatte.

Darüber hinaus prüfte das Unternehmen im Jahr 2012 fast 130.000 Vorschläge des Managements und der Aktionäre und stimmte in 10 % der Fälle gegen das Management.

Zweifellos übt BlackRock großen Einfluss aus. Allein die Größe seines verwalteten Vermögens stellt seine Konkurrenten in den Schatten. Diese Machtposition hat in den USA auch politische Diskussionen ausgelöst, ob BlackRock ein systemrelevantes Finanzinstitut ist und daher strengeren Vorschriften unterliegen sollte. Das Unternehmen hat dagegen erfolgreich argumentiert, dass es, solange es nicht in eigene Fonds investiert, kaum oder gar kein systemisches Risiko darstellt. Mit den Worten von Laurence Fink, der beteuert:

Wir sind nur ein Vermögensverwalter
und in keiner Weise
eine systemische Bedrohung”

Laurence Fink, Blackrock-CEO, fortune, 2014

Zahlreiche Forscher und Finanzanalytiker haben den Aufstieg von BlackRock, Vanguard und State Street schon frühzeitig festgestellt. Sie kritisieren nicht nur die Konzentration der „Big Three“, sondern die Verlagerung von aktiven zu passiven Anlagestrategien:

Passive Anlegestrategie statt aktiv-innovative Investitionen

Seit 2008 hat eine beispiellose Verlagerung von aktiven zu passiven Anlagestrategien stattgefunden.
Wir haben gezeigt, dass diese passive Indexfondsbranche von BlackRock, Vanguard und State Street dominiert wird. Tatsächlich sind diese drei riesigen passiven Vermögensverwalter zusammen bereits der größte Anteilseigner von mindestens 40 Prozent aller börsennotierten US-Unternehmen und 88 Prozent der S&P-500-Unternehmen.
Daher sehen wir Anzeichen für eine Wiedervereinigung von Unternehmensbesitz und -kontrolle durch schnell steigende Aktienbestände, die von einer kleinen Gruppe sehr großer passiver Indexfondsmanager verwaltet werden, die wir als die „Großen Drei“ bezeichnen.

Fichtner et al., http://papers.ssrn.com/so13/papers.cfm?abstract{\_}id=2798653.

Wie die Machtstrukturen analysiert wurden – Die Methode

Die Konzentration auf einzelne Aktionäre im globalen Eigentumsnetzwerk stellte die erste Analyseebene dar. Während diese Einflussranglisten an sich schon interessant sind, stellt sich unmittelbar die Frage nach der Vernetzung der Akteure. Inwieweit sind die einflussreichsten Akteure miteinander vernetzt? Um diese Frage zu beantworten, wurde von Vitali, Glattfelder und Battiston eine neue, kumulative Version des Einflussindex vorgestellt.

Diese Methodik ist auf zusammenhängende Gruppen von Anteilseignern anwendbar und vermeidet zuvor aufgetretene Probleme der Doppelzählung. Natürlich definierte Gruppen von Aktionären können anhand der definierten Abgrenzungen durch die Netzwerktopologie identifiziert werden. Solche topologischen Gruppen sind die verschiedenen Abschnitte der Schleife. Darüber hinaus können durch die Nutzung der Kenntnisse über die einzelnen Werte des Einflussindexes verschachtelte Machtstrukturen tiefer im Netzwerk aufgedeckt werden.

Die Identifizierung von Machtstrukturen

Die entstehende Super-Entität In diesem Abschnitt wurde die besondere Rolle des Kerns aufgezeigt. Es handelt sich um eine kleine, aber stark vernetzte Gruppe von einzeln einflussreichen Aktionären, die einen enormen kumulativen Einfluss ausüben. Tatsächlich verfügt die Superentität als zusammenhängende Gruppe über mindestens 975 % des kumulativen Einflussindexwerts, der dem Kern zugewiesen wurde. Dieser hohe Konzentrationsgrad rechtfertigt die Abgrenzung der Superentität als emergente Machtstruktur im Netzwerk. Im Durchschnitt trägt ein Knoten in der Superentität 119,38 Milliarden USD zum kumulativen Einflussindexwert der Gruppe im Jahr 2007 bei. Im Jahr 2012 beträgt dieser Wert 165,40 Milliarden USD. Folglich sind die wenigen Knoten in der Superentität bei weitem die einflussreichsten im gesamten Netzwerk. Betrachtet man die Zusammensetzung der Superentität im Zeitverlauf, so stellt man fest, dass es eine innere Gruppe von 70 Knoten gibt, die in allen jährlichen Momentaufnahmen von 2007 bis 2012 vorhanden sind. Das bedeutet, dass der Knoten in der Superentität beständig ist und den zeitlich stabilen Kern der Superentität im analysierten Zeithorizont bilden. Zusammenfassend lassen sich zwei topologische Machtstrukturen identifizieren, die „IN-Struktur“ (in der Aktionäre direkt oder indirekt miteinander verbunden sind) und der Kern. Beide bestehen aus den höchstrangigen Einflussnehmern in den obersten Quantilen der individuellen Einflussindexverteilung. Beide Strukturen zeichnen sich auch durch hohe kumulative Einflussindexwerte aus.

Die Entdeckung der Superentität im Kern

„In der nächsten Phase der Analyse wurde im Kern eine emergente Machtstruktur entdeckt, die Superentität, wobei eine winzige Gruppe identifiziert wird, die einen unverhältnismäßig hohen Einfluss ausübt. Diese Super-Entität ist die kleinste und einflussreichste Machtstruktur im globalen Eigentumsnetzwerk. Sie verfügt über einen eigenen stabilen Kern von 70 einflussreichen Aktionären, die alle in der Super-Entität jedes jährlichen Netzwerk-Snapshots vertreten sind. Der Kern konsolidiert sich nach der globalen Finanzkrise, sodass seine jährlichen kumulativen Einflussindexwerte stabil bleiben. Im Gegensatz dazu spüren die IN und in geringerem Maße auch die Super-Entität die disruptiven Auswirkungen der Staatsschuldenkrise im Jahr 2011, wodurch den Strukturen erneut Macht entzogen wird. Interessanterweise erholen sich beide betroffenen Machtstrukturen im Jahr darauf und zeigen ein widerstandsfähiges Verhalten. In den Machtstrukturen des globalen Eigentumsnetzwerks sind angesichts von Schocks Störungen, Stabilität und Widerstandsfähigkeit zu beobachten. Aber wie haben sich die diesen Veränderungen zugrunde liegenden Netzwerkstrukturen entwickelt? Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine einmal entstandene Machtstruktur über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt und eine Metaebene der Organisation darstellt, die von den tatsächlichen Identitäten der einzelnen Knoten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhanden sind, losgelöst ist. Solche Machtarchitekturen zeigen angesichts globaler Krisen ein robustes und widerstandsfähiges Verhalten.“ http://papers.ssrn.com/so13/papers.cfm?abstract{\_}id=2798653

Die Probleme der Konzentration

Seit der globalen Finanzkrise vor fast einem Jahrzehnt ist eine deutliche Re-Konzentration des Eigentums zu beobachten (Davis, 2008; Murray und Peetz, 2010; Davis, 2013; Peetz et al., 2013; Haberly und Wojcik, 2017; Fichtner et al., 2017). In dieser Studie zum globalen Eigentumsnetzwerk stellen Glattfelder und Battiston ebenfalls eine hohe Konzentration der Aktionärsmacht fest, die als Einflussindexwerte quantifiziert wird und sich in den Händen weniger Wirtschaftsakteure befindet.

„Im Einzelnen können wir zeigen, dass es innerhalb des Netzwerks unterschiedliche Machtstrukturen gibt, die aus kleinen Gruppen stark vernetzter und einflussreicher Akteure bestehen. Diese Machtarchitekturen weisen ein hohes Maß an Resilienz auf. […] Mit dieser neu entstehenden Konzentration von Eigentum und Macht sind potenzielle Gefahren verbunden, die angegangen werden sollten.https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3314648

Kreuzbeteiligungs-Strukturen sind wettbewerbsfeindlich

Frühere Studien haben gezeigt, wie sich kleine Kreuzbeteiligungsstrukturen auf nationaler Ebene negativ auf den Wettbewerb in Sektoren wie der Luftfahrt, der Automobil- und Stahlindustrie sowie dem Finanzsektor auswirken können (OBrien und Salop, 1999; Gilo et al., 2006). In jüngerer Zeit haben einige Arbeiten die wettbewerbsfeindlichen Auswirkungen konzentrierter Eigentumsverhältnisse dokumentiert (Azar und Schmalz, 2017). So hat beispielsweise gemeinsames Eigentum in der US-Luftfahrtindustrie zu erhöhten Ticketpreisen geführt (Azar et al., 2015). Darüber hinaus stehen im Zusammenhang mit dem Wettbewerb im Bankensektor gemeinsame Eigentumsverhältnisse von Vermögensverwaltern und Kreuzbeteiligungsstrukturen in einem signifikanten Zusammenhang mit höheren Kundengebühren und höheren Einlagenzinsmargen (Azar et al., 2016). Fazit: Gemeinsames Eigentum großer Vermögensverwalter führt zu einer Verringerung der makroökonomischen Effizienz durch einen Rückgang des Wettbewerbs auf dem Produktmarkt und verursacht somit erhebliche versteckte soziale Kosten (Fichtner et al., 2017).

Systemisches Risiko

Während der Finanzkrise wurde der umgangssprachliche Begriff „too big to fail” populär. Er erfasst die Vorstellung, dass durch die Identifizierung und Unterstützung der wichtigsten Wirtschaftsakteure im System finanzielle Notlagen abgewendet werden können. Dieser Ansatz reicht jedoch für Netzwerke, in denen Rückkopplungseffekte bestehen, nicht aus. In Systemen, in denen die Akteure miteinander verbunden und daher voneinander abhängig sind, wird der Begriff des systemischen Risikos relevant. Mit anderen Worten: Nur durch die Aufdeckung der Architektur des Netzwerks kann das Ausmaß der Ausbreitung finanzieller Notlagen im gesamten System bewertet werden. Tatsächlich weiß niemand, was passiert wäre, wenn die Rettung des US-Finanzsystems nicht durchgeführt worden wäre. Tatsächlich hat der Emergency Economic Stabilization Act von 2008, der zum Kauf notleidender Vermögenswerte im Wert von etwa 700 Milliarden US-Dollar führte (Muolo, 2008), die Entwicklung des Netzwerks grundlegend verändert. Da der Einflussindex ebenfalls eine Zentralitätsvariante ist, ermöglicht er darüber hinaus die Identifizierung der wichtigsten Akteure im gesamten Netzwerk unter Berücksichtigung der Architektur der Vernetzung sowie der Verteilung der Eigentumsanteile und Unternehmenswerte. Im Wesentlichen ermöglicht die Methodik von Glattfelder und Battiston die Erkennung von Unternehmen im globalen Eigentumsnetzwerk, die zu zentral sind, um zu scheitern. Die Aufdeckung solcher systemrelevanten Knotenpunkte kann für politische Entscheidungsträger und Regulierungsbehörden von großem Wert sein. Im Einzelnen könnte die enorme Konzentration des Eigentums in den Händen einiger weniger Vermögensverwalter auf eine neue Art von systemischem Risiko hindeuten. Nach traditioneller Auffassung sind Vermögensverwalter nicht systemrelevant. Im Gegensatz zu Banken sind diese Verwalter nicht fremdfinanziert und vergeben keine Kredite. Mit anderen Worten: Das Insolvenzrisiko ist gering. Allerdings sind nicht alle dieser Meinung (Fichtner et al., 2017): Eine wichtige Sorge, die in den letzten Jahren geäußert wurde, ist, dass ein weiter steigender Marktanteil passiver Indexfonds die effiziente Preisbildung an den Aktienmärkten beeinträchtigen könnte, da der Anteil aktiv gehandelter Aktien weiter schrumpfen würde.

Leben wir im Zeitalter der Vermögensverwaltungen?

Andrew Haldane von der Bank of England argumentierte In einer Rede im Jahr 2014 , dass wir aufgrund des enormen Wachstums der verwalteten Vermögenswerte in den letzten Jahrzehnten und des relativen Rückzugs der Banken nach der globalen Finanzkrise möglicherweise in das Zeitalter der Vermögensverwaltung eingetreten sind. Er sieht Anzeichen dafür, dass ETFs und Indexfonds das Herdenverhalten der Anleger verstärken und damit zu stärker korrelierten Marktbewegungen führen könnten. Auf diese Weise könnten passive Indexfonds die Prozyklizität der Finanzmärkte verstärken. Zusammenfassend lässt sich sagen (Fichtner et al., 2017): Der Aufstieg passiver Indexfonds könnte das Herdenverhalten der Anleger verstärken und eine effiziente Preisbildung beeinträchtigen, wodurch potenziell neue systemische Risiken entstehen könnten. Diese Entwicklungen führen bereits zu wachsender Unruhe unter den Regulierungsbehörden. Der Vorsitzende der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, Luis Aqualar, konfrontierte kürzlich seine Kollegen mit der rhetorischen Frage, ob sie eine Eindämmung des Wachstums passiver Anleger in Betracht ziehen sollten.

Die Super-Entität: Zu einflussreich und zu mächtig, um zu scheitern?

Das Entstehen der Super-Entität, einer kleinen, stark vernetzten und unverhältnismäßig einflussreichen Gruppe von Wirtschaftsakteuren, wirft folgende Frage auf: Wenn ein Akteur sich der Tatsache bewusst ist, dass er Teil einer Elitegruppe ist, von der erwartet wird, dass sie in Krisenzeiten Vorteile genießt (Schutz, Rettungsmaßnahmen usw.), würde dieses Wissen dann nicht die Anreize beeinflussen? Mit anderen Worten: Wäre es unter diesen Umständen nicht rational, mehr Risiken im Geschäftsbetrieb einzugehen? Es ist bekanntermaßen schwer, der Versuchung zu widerstehen, privilegierte Positionen auszunutzen. Schaffen die in dieser Studie identifizierten Machtstrukturen neue moralische Risiken, wie beispielsweise die Vereinnahmung von Regulierungsbehörden? Im Wesentlichen wird damit erneut die Frage nach der Funktion, Struktur und zukünftigen Rolle von Kartellbehörden und Regulierungsbehörden aufgeworfen.

Sind passive Investitionen der Vermögensverwaltungen schlimmer als Marxismus?

Einige Kommentatoren sehen in der Entstehung allmächtiger passiver Investmentfonds eine Bedrohung für die Grundfesten der Marktwirtschaft. Bei aktiv gemanagten Anlagefonds trifft das Fondsmanagement innerhalb der Anlagestrategie die konkreten Investitionsentscheidungen. Es wird dabei versucht, durch Titelauswahl und Markttiming die Zusammensetzung des Fonds den jeweiligen aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen und von ihnen zu profitieren. Passiv gemanagte Anlagefonds bilden dagegen „nur“ einen Index ab. Sie treffen keine aktive Auswahl der Basiswerte. Zu den passiv gemanagten Anlagefonds zählen sowohl Indexfonds als auch Exchange Traded Funds (ETF). Letztere werden an der Börse gehandelt.

Die klassischen, aktiven Fondsmanager haben ihre Kritik an passiven Indexfonds sehr offen geäußert. Im August [2016] donnerten Analysten des Forschungsunternehmens Sanford C. Bernstein: https://www.bloomberg.com/news/articles/2016-08-23/bernstein-passive-investing-is-worse-for-society-than-marxism

Eine vermeintlich kapitalistische Wirtschaft,
in der ausschließlich passiv investiert wird,
ist schlimmer als eine zentral geplante Wirtschaft
oder eine Wirtschaft mit aktiver, marktorientierter Kapitalverwaltung.

Sanford C. Bernstein RESEARCH

Selbst John C. Bogle, der Gründer der Vanguard Group, der vor mehr als 40 Jahren den ersten Indexfonds auflegte, stimmt zu, dass passives Investieren zu groß werden kann und der Nutzen negativ wird.

Was passiert, wenn alle indexieren?
Chaos, Chaos ohne Grenzen.
Man kann weder kaufen noch verkaufen,
es gibt keine Liquidität, es gibt keinen Markt.

John Bogle, Gründer der Vanguard Group
https://www.wealthmanagement.com/etfs/bogle-says-if-everybody-indexed-markets-would-fail-under-chaos

Die Studien der ETH Zürich wurden vor mehreren Jahren erstellt. Vor eineinhalb Jahrzehnten standen 147 Firmen für 40 Prozent des weltweiten Umsatzes. Wie sieht das heute, Ende 2025 aus? Leider gibt es dazu keine bekannte aktuelle Studie. Aber man kann davon ausgehen, dass sich der Trend noch weiter fortgesetzt hat. Gibt es Lösungen für dieses Problem? Wie könnte eine Strategie dazu aussehen? Schreiben Sie mir – ich freue mich auf Ihren Input, schreiben Sie mir und werde Ihnen gerne antworten. kontakt@mittelstandsblog.blog

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