Udo Preis, der Kulturmanager und Mitbegründer von RESPEKT ist am 13. Juni 2026 im 75. Lebensjahr verstorben.
Udo Preis verstarb am 13. Juni 2026 im 75. Lebensjahr. Am 27. Juni 2026 fand in seinem Bambushain bei ihm zuhause im Kreise seiner Familie und Freunden eine Trauerfeier statt.
Udo gründete und leitete Limmitationes, die Kulturinitiative „für den lustvollen Umgang mit Literatur, Musik und Malerei“. Seine Initiative wurde 1992 gegründet und nimmt in der österreichischen Kulturlandschaft einen hohen Stellenwert ein. Limmitationes veranstaltet nicht nur hunderte Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Diskussionstreffen, sondern produzierte darüber hinaus zahlreiche CDs und ein Literaturbuch. Das Unterrichtsministerium verlieh Udo Preis 2007 das Bundesehrenzeichen für Kulturarbeit. Das Projekt Limmitationes wird von Udos Sohn weitergeführt werden.
Ich habe Udo erst spät kennengelernt, im Coronajahr 2020, vor sechs Jahren, als ich im ORF-Radiosender Ö1 zufällig das Interview von Prof. DDr. Martin Haditsch durch Mag. Renata Schmidtkunz hörte. In dem Radiobeitrag vom 3. September 2020 sprachen Haditsch und Schmidtkunz, zwei herausragende, mutige Persönlichkeiten miteinander. https://www.youtube.com/watch?v=NF_NWfAyauQ
In dem Radiointerview, welches mir in der Corona-Zeit durch seine kultivierte und niveau- und respektvolle Art der Gesprächsführung aufgefallen war, wurde erwähnt, dass die von Professor Dr. Haditschs gegründete Plattform RESPEKT einen offenen Brief an Bundesregierung geschrieben hatte. In diesem Schreiben forderten die Gründer der Plattform RESPEKT die Regierung auf, die Gründe für die verheerenden Konsequenzen der Lockdowns darzulegen. Nach der Ausstrahlung des Ö1-Interviews am 3. September 2020 schrieb ich eine E-Mail mit meinem CV an die Plattform RESPEKT und bot meine Mitarbeit pro bono an.
Am nächsten Tag rief mich der Obmann des Respekt-Vereins, Udo Preis, an und wir telefonierten sehr lange miteinander, obwohl wir uns persönlich nicht kannten und vorher noch nie getroffen hatten. Aus dem Telefonat und der folgenden zweijährigen Mitarbeit (2020-2022) an der Plattform RESPEKT ist dann eine lebenslange Freundschaft geworden. Ich war mehrere Male in Udos Haus in Deutsch Minihof zu Gast und auch bei mehreren Musikperformances von Limmitationes dabei, die Udo Preis in Wien an verschiedenen Locations organisiert hatte.
Bei einer der Musikdarbietungen im Café Brückl fragte mich Udo, wie mir die freie Musik gefiele: Ich antwortete Udo: „Ganz ehrlich, Udo. Ich verstehe deine Musik überhaupt nicht. Aber manchmal, wenn ich – wie heute – entspannt zuhöre und zusehe, wie diese Musikprofessoren aus Tschechien und Ungarn Musik machen und das Mädchen aus den USA dazu tanzt, dann könnte ich denken, die aktuelle Performance könnte eine Art Echo von frei fließenden Gedanken sein.“ Udo lächelte über meine Antwort locker-verschmitzt und sagte: “ Na ja, damit könntest du schon irgendwie recht haben.“
Im Winter 2020/21, nach der Verkündigung der vorgegebenen „Problemlösung“, den mRNA-Injektionen, ging es richtig los mit der Verunglimpfung der Coronaleugner. Am Höhepunkt von „Corona und den mRNA-Impfungen, als die Österreichische Regierung ihre Bevölkerung in „Lockdowns“ (einem neuartigen Corona-Begriff aus der Gefängniswelt) eingesperrt hatte, der Mittelstand malträtiert, die „Zügel enger gezogen“ wurden und unsere Kinder mit Fußballverbot und dem verpflichteten Umschnallen von FFP2-Masken für Mauerarbeiten diszipliniert wurden, schrieb DER STANDARD, der sich selbst als „Haltungsmedium“ definiert:
„Corona-Maßnahmen-Kritiker Udo Preis sitzt zwischen den Stühlen. Der Kärntner Südburgenländer ist ein alter Linker und Kulturveranstalter. Er steht mit seiner Kritik an den Corona-Regeln auf einer Seite mit Rechten – was ihn aber nicht selbst zu einem mache.“ https://www.derstandard.at/story/2000124138617/corona-massnahmenkritiker-udo-preis-sitzt-zwischen-den-stuehlen
Für Haltungsjournalisten scheint die Haltung einer herausragenden Persönlichkeit, wie es Udo Preis war und bleiben wird, eine seltsame Paradoxie darzustellen: Ein politisch "links" verorteter Mensch, der sich gegen totalitäre "Corona-Maßnahmen" ausspricht und dabei faktisch auf derselben Seite wie rechte Kritiker steht, ohne sich selbst als rechter zu bezeichnen. Das war eine Sensation für die Haltungsjournalisten und Corona-Apologeten. Eine Frustration für die Freunde von kulturbildenden Erzählungen, die seit Corona "Narrative" genannt werden.
Natürlich: Man musste Udo für seine oft etwas brutale Ehrlichkeit mögen – oder eben nicht. Für mich war und bleibt er eine Persönlichkeit, die sich nirgendwo „hingesetzt“ hat, wie es die Haltungszeitung DER STANDARD in mehreren Artikeln insinuierte – weder links noch rechts im Aufstieg auf eine fremdbestimmte Karriereleiter. Udo stand immer auf seinen eigenen Beinen. Udo hat es sich nie auf einer „Haltung“ oder Position gemütlich gemacht. Udo war nicht gemütlich, er war immer er selbst. Coronale Dummheit machte ihn manchmal auch grantig. Udo saß und sitzt nicht „zwischen den Stühlen“, wie der Artikel in der Haltungszeitung getitelt hat. So ein Vergleich kann nur jemanden einfallen, der mit Udo über das Thema „Corona“ nicht gesprochen hat und für den die politische Welt offenbar primär aus links oder rechts besteht. Udo war nie ein Sitzender, er war immer auf seinen eigenen Beinen unterwegs, er war mental und physisch unablässig in Bewegung. Udo stand zu seiner Meinung, aber er checkte häufig, ob er damit richtig lag. Man kann zu einer Meinung nur stehen, nicht sitzen. Wenn man in einer vorgegebenen Haltung festgesessen wird, ist selbstbestimmte Bewegung nicht mehr möglich.
Mein Freund Udo Heinrich Preis hat gedacht und getan, was er für richtig hielt. Udo hat sich nie auf einen der zahlreichen Stühle niedergelassen, den ihm andere hingestellt haben. Udo, der Intellektuelle, der Philosoph, der Souveräne, er konnte mit einer Sense das Gras mähen. Und jemand wie Udo, der so praktisch im Leben stand, hatte erkannt: Etwas, das heute links steht, kann aus einer anderen Perspektive rechts sein. Waren die Nationalsozialisten eigentlich Sozialisten? Waren die Nazi-Faschisten links oder rechts? Oder ist diese Frage nicht (mehr) erlaubt?
Im Zentrum unseres täglichen Lebens stehen nicht Leerverkäufe und Casinospiele, wie sie etwa überzogen-skurril in der amüsanten Netflix-Serie „Billions“ dargestellt werden. In der siebenten und letzten Staffel der „kulturbildenden“ Milliarden-Story tritt auch ein Double des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi auf, um sich für die Waffenlieferungen bei den Milliardärs-Planwirtschaftlern und Oligarchen zu bedanken …
Viele Leit-Medien haben ihre eigene Wahrnehmung der Realität unter ökonomischen Druck die Sichtweise des Mittelstands aufgegeben und sich freiwillig in einer Art Kopfschere zensiert. Sie haben sich nach ihren publizistik- und politikwissenschaftlichen Studien über die Karriereleiter nach „oben“ geschrieben, viele betrachten die Welt gegendert durch die Aug:innen der Parallelwelt der selbsternannten „Elite“ der Leerverkäufer und Tokenisierer – oft, ohne die Verschiebung ihrer Perspektive selbst wahrzunehmen. Durch den Umstieg der mit Steuermittel subventionierten Medien von der Realität des Mittelstands in die Perspektive der Kapitalverwaltungsgesellschaft werden die vor zwanzig Jahren noch als links eingeordneten und im Neusprech „geframten“ Standpunkte jetzt als rechts wahrgenommen: die Gleichheit vor dem Gesetz, die Aufklärung, der Kampf gegen Ungleichheit und die Verteidigung der Grund- und Menschenrechte. Heute ist jeder, der diese Werte verteidigt, in den Augen der Leitmedien gerne gleich mal ein „Rechtsextremer“.
Udo Preis und der Plattform RESPEKT PLUS ging es nie um eine Politik von links oder rechts, sondern um die Wiederherstellung der verfassungsmäßig garantierten Grundrechte, der pluralistischen Diskursfreiheit, für eine friedvolle Welt und für die Möglichkeit, unser individuelles Leben selbstständig und souverän in einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie im Sinne der RESPEKT-Grundsätze zu gestalten.
Es scheint typisch für die Sesseldenker-Perspektive mancher Medienleute zu sein, dass in dem STANDARD Artikel der Ehrenkodex der Plattform RESPEKT nicht einmal erwähnt wurde. Denn die Plattform R-E-S-P-E-K-T setzt sich aus Akronymen zusammen – jeder Buchstabe von R-E-S-P-E-K-T hat eine Bedeutung, worauf nicht nur Udo Preis, sondern auch Professor Haditsch in dem Radiointerview am 3. September 2020 hingewiesen hatte:
- Das R steht für Respekt
- Das E steht für Ehrlichkeit
- Das S steht für Selbstbestimmung
- Das P steht für Pazifismus
- Das E steht für Ethik
- Das K steht für Kultur
- Das T steht für Transparenz
Begriffe wie Links und Rechts gibt es bei RESPEKT nicht. Mein Freund Udo Heinrich Preis (31.08.1951 – 13.06.2026), mit Professor DDr. Martin Haditsch und vielen anderen großartigen Menschen einer der Mitbegründer von RESPEKT, hat sich nie dauerhaft auf den zahlreich angebotenen linken oder rechten Fauteuils niedergelassen.
„Du bist nicht mehr da, wo Du warst – aber Du bist überall, wo wir sind.“
Das ist der letzte Satz auf dem kleinen Erinnerungsfolder mit dem Bild von Udo, den ich am Ende der würdigen Trauerfeier aus seinem Haus in Deutsch Minihof mitnehmen durfte, von einem Punkt, wo verschiedene Kulturen und Grenzen zusammenlaufen. Dort hat Udo mit seiner geliebten Frau Bärbel und seiner Familie gelebt.
Udo, der Grenzüberschreitende, der Kulturmanager, der Unkonventionelle, der Selbstbestimmte, der Unbequeme, der Nicht-Einordenbare, der Freiheits- und Friedenskämpfer, der schwierige Souveräne, der sich nie hingesetzt hat, sondern in seinem erfüllten und spannenden Leben immer weiter fortgeschritten ist.
Mein letztes Telefonat mit Udo war ein paar Tage vor seinem Ableben. Jetzt lebt er in meinen Erinnerungen weiter.

